Hollerküchlein, Hollerküchle oder Hollerkiacherl
- Ein Rezept mit viel alter Tradition

Die wunderschöne Hollunder-Pflanze gehört für mich zu einer der mystischsten und wunderbarsten Gewächse überhaupt und ihr Duft und alles was man daraus herstellen kann, birgt für mich viele Kindheitserinnerungen. Um den „Hollerbusch“ ranken sich so unzählige Bräuche und Mythen, so viele Geschichten und Weisheiten. 

Ihre Blüten und Früchte verfügen über herrliche Heilkräfte und sie sind obendrein auch hervorragend für leckere Hollerküchle, Sirup, Tees, Säfte, Marmeladen geeignet. Man kann so vieles daraus herstellen. 

 

 

Nach einer alten Bauernregel heißt es: „Vor dem Holunder soll man sich verbeugen“. Dieser Spruch drückt den Respekt aus, den die Menschen seit Jahrhunderten dieser Pflanze gegenüber verspüren.

Diese Ehrfurcht drückte sich auch im Umgang mit ihm aus. Man nahm nämlich an, dass das Zerstören des Hollers großes Unheil, Krankheit oder Tod verursachen könne. So weigerten sich, noch bis ins 20. Jahrhundert hinein, Britische Landarbeiter Holundergehölze zu fällen, um nicht Unheil auf sich zu ziehen. 

Um das Unheil abzuwenden und Glück auf dem Hof zu haben, findet man deshalb auf Bauernhöfen auch heute oft noch an allen vier Ecken des Gehöftes, einen Holunderbusch, der beschützen und segnen soll.

Die Mythologie des Holunders ist mit der großen Göttin Holla verbunden, die wir aus unserer Kindheit auch als Frau Holle kennen. Den Kindern wurde damals erzählt, dass im Hollerbusch kleine Geister leben, die sogenannten Hollinen. Um diese nicht zu verärgern, musste man diese früher auch erst um Erlaubnis bitten, wenn man Hollerblüten oder -beeren vom Strauch pflücken wollte.

 

 

 

Er wächst und gedeiht so gut wie überall.Auf dem Land, im Wald und an Wiesenrändern, aber sogar in der Stadt, kann man ihn entdecken, wenn man nur darauf achtet. Schaut zum Beispiel in die Hinterhöfe, da wächst bestimmt irgendwo ein Holunderbusch. 

Der Holunder blüht von Ende Mai bis Anfang Juli und verströmt dabei diesen wunderbaren intensiven, süßlichen Duft, der für mich jedes Jahr ein untrügliches Zeichen für den ankommenden Sommer ist.  

Wenn Ihr mein heutiges Rezept für die wunderbaren Hollerküchle noch dieses Jahr ausprobieren wollt, dann müsst Ihr jetzt ganz schnell sein. Denn für die Hollerküchlein werden die Blütendolden des Hollerbusches verwendet, der jetzt gerade in voller Blüte steht und wenn in den nächsten Tagen die Sonne wieder ein wenig mehr scheint, werden bald alle Blüten aufgeblüht sein.

 

 

Bereits sehr stark aufgeblühte und verblühte Dolden sind dann nämlich nicht mehr besonders für mein Rezept geeignet. Deshalb werde ich Euch jetzt ganz schnell mein herrliches Rezept aufschreiben, damit Ihr die nächsten Tage noch Zeit habt, mit einem Körbchen loszuziehen und ein paar schöne Dolden für die leckeren Küchlein zu sammeln, bevor es für dieses Jahr zu spät ist. Nicht vergessen, dabei schön um Erlaubnis bitten, damit die kleinen Hollerfeen nicht böse werden.!!



Dabei sind die Blütendolden, wie Ihr sie in meinem linken und rechten Bild seht, noch nicht soweit aufgeblüht, dass Ihr sie für unsere Küchlein verwenden könnt. 

Die Blüten an der Dolde, die Ihr vorsichtig vom Strauch schneiden solltet, müssen alle vollständig aufgeblüht sein, aber möglichst noch keine verblühten Blüten besitzen.

 

 

 

 

Das linke Bild zeigt Euch eine perfekte Dolde, ausser, dass Ihr, wenn Ihr genau hinseht, einen kleinen Störenfried erkennen könnt. Kleine Tiere und auch eventuell verblühte Blüten solltet Ihr immer vor dem Backen vorsichtig abschütteln.

Jetzt aber geschwind zum Rezept, bevor es zu spät ist und die Hollerbüsche mit der Blüte fertig sind:

Zutaten:

  • ca. 12 bis 16 frische Holunderblüten-Dolden mit möglichst langen Stielen
  • 200 g Mehl
  •   50 g Butter
  • Mineralwasser mit Kohlensäure
  • 200 ml Bier (oder auch Weißwein)
  • 2 Eier (in Eigelb und Eiweiß trennen)
  • 1 Päckchen Vanillezucker oder ca. 20 g Zucker
  • 1 Messerspitze Vanillemark oder ein paar Spritzer Vanille-Extrakt
  • 1 Prise Zimtpulver
  • 1 Prise Salz
  • ca. 700 g Butterschmalz oder neutrales Öl
  • Puderzucker

Zubereitung:

  • Als erstes müsst Ihr Eure gesammelten Holunderblüten vorsichtig, kopfüber in kaltem Wasser schwenken, damit kleine Insekten, Schmutz und welke Blüten entfernt werden. Bitte nicht zu lange und nicht zu viel wässern. Danach vorsichtig schütteln und auf einem Tuch vollständig abtrocknen lassen. 
  • Jetzt die Butter auf kleiner Flamme in einem Topf flüssig werden lassen. Währenddessen das Mehl mit der Prise Salz, dem Vanillemark, einer Prise Zimtpulver, einem Schuss Mineralwasser und dem Bier zu einem glatten Teig verrühren. Anschließend die Eigelbe und die flüssige (aber nicht zu heiße) Butter unterrühren.
  • Eiweiß mit dem Vanillezucker oder den ca. 20 Gramm Zucker steif schlagen und vorsichtig unter den Teig heben.
  • Nun das Butterschmalz oder das Öl in einer Pfanne, mit etwas höherem Rand, erhitzen. 
  • Jetzt könnt Ihr die Hollerblüten einzeln am Stiel anfassen, durch den Teig ziehen und mit der Blüte nach unten in das heiße Fett zum Frittieren tauchen. Jeweils etwa 2 Minuten schön knusprig backen.
  • Anschließend die fertigen Hollerküchle auf einem Küchenkrepp abtropfen lassen und dann mit Puderzucker bestreuen. 
  • Warm serviert schmeckt dazu wunderbar zum Beispiel eine Kugel Vanilleeis, auch lecker ist dazu Vanillesauce oder Apfelmus

 

„Badet“ Eure Blüten in nicht allzu viel Teig, da die Küchle sonst nicht richtig fluffig und knusprig werden. 

Wenn Ihr am Schluss noch Teig übrig habt, könnt Ihr damit zum Beispiel in Scheiben geschnittene Äpfel zu sogenannten Apfelküchle verwandeln. 

Auch sehr lecker!!!! 

Bei uns gab es zu den Hollerkücherl ganz einfach Vanilleeis. Alle haben sich unglaublich gefreut, da wir die letzten Jahre immer den richtigen Zeitpunkt versäumt hatten. 

Jedes mal waren wir zu spät dran und mussten traurig zusehen, wie die Blüten schnell abfielen und sich aus den Enden die dunklen Beeren bildeten, die dem Holunder auch den Namen „Schwarzer Holunder“ verleihen. 

Habt Ihr nun Lust bekommen, die herrlichen Hollerküchle auch mal auszuprobieren? Dann lasst Euch bitte nicht mehr allzu viel Zeit, denn die Tage sind gezählt, in denen Ihr die Blüten noch ernten könnt. 

Deshalb jetzt ganz schnell „Ab untern Hollerbusch“ wie in dem alten Kinderlied „Ringel, Ringel Reihe… Wir sind der Kinder dreie……Gehen im Kreis…..Wir sitzen unterm Hollerbusch und machen alle husch, husch, husch……“

Wer es allerdings dieses Jahr nicht mehr schafft, der hat dieses Jahr noch die Möglichkeit herrliche Marmelade oder Saft aus den Beeren der Holunders herzustellen. 

Vielleicht finde ich dazu ein Rezept und berichte Euch im Herbst darüber.

 

Alles Liebe aus dem Wohnzimmer

schickt Euch

Eure Amalie.

Hollerküchle, Hollerküchlein, Hollerkiacherl - ein Rezept mit Tradition

Vorbereitungszeit20 Min.
Zubereitungszeit10 Min.
Gericht: Nachspeise

Zutaten

  • ca. 12 bis 16 frische Holunderblüten-Dolden mit möglichst langen Stielen
  • 200 g Mehl
  • 50 g Butter
  • Mineralwasser mit Kohlensäure
  • 200 ml Bier (oder auch Weißwein)
  • 2 Eier (getrennt in Eigelbe und Eiweiße)
  • 1 Päckchen Vanillezucker oder ca. 20 g Zucker
  • 1 Messerspitze Vanillemark oder ein paar Spritzer Vanille-Extrakt
  • 1 Prise Zimtpulver
  • 1 Prise Salz
  • ca. 700 g Butterschmalz oder neutrales Öl
  • Puderzucker

Anleitungen

  • Als erstes müsst Ihr Eure gesammelten Holunderblüten vorsichtig, kopfüber in kaltem Wasser schwenken, damit kleine Insekten, Schmutz und welke Blüten entfernt werden. Bitte nicht zu lange und nicht zu viel wässern. Danach vorsichtig schütteln und auf einem Tuch vollständig abtrocknen lassen. 
  • Jetzt die Butter auf kleiner Flamme in einem Topf flüssig werden lassen. Währenddessen das Mehl mit der Prise Salz, dem Vanillemark, einer Prise Zimtpulver, einem Schuss Mineralwasser und dem Bier zu einem glatten Teig verrühren. Anschließend die Eigelbe und die flüssige (aber nicht zu heiße) Butter unterrühren.
  • Eiweiß mit dem Vanillezucker oder den ca. 20 Gramm Zucker steif schlagen und vorsichtig unter den Teig heben.
  • Nun das Butterschmalz oder das Öl in einer Pfanne, mit etwas höherem Rand, erhitzen. 
  • Jetzt könnt Ihr die Hollerblüten einzeln am Stiel anfassen, durch den Teig ziehen und mit der Blüte nach unten in das heiße Fett zum Frittieren tauchen. Jeweils etwa 2 Minuten schön knusprig backen.
  • Anschließend die fertigen Hollerküchle auf einem Küchenkrepp abtropfen lassen und dann mit Puderzucker bestreuen. 
  • Warm serviert schmeckt dazu wunderbar zum Beispiel eine Kugel Vanilleeis, auch lecker ist dazu Vanillesauce oder Apfelmus

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