Zwetschgenknödel aus Kartoffelteig - Ein Rezept aus meiner Kindheit mit vielen Erinnerungen an den Hof eines alten Stadthauses

September – geliebter Süßspeisen-Monat mit nicht nur kulinarisch wunderbaren Kindheitserinnerungen.

Immer wenn die Tage langsam kürzer werden, die Schatten länger und die Sonnenstrahlen goldener werden, muss ich an meine Kindheit und vor allem an meinen, leider längst verstorbenen, Papa denken. Mein Papa war Österreicher und vielleicht war es er vor allem, der mir die Liebe zu allem Süßen vererbt hat. Er war ein wirklicher Experte in der Herstellung von Apfelstrudel, Marmeladen, Quittenbrot.. und natürlich den Zwetschgenknödeln. All diese wunderbaren Delikatessen haben für mich etwas mit dem Monat September und Herbst zu tun, in dem die dazugehörigen Früchte verarbeitet werden müssen. 

Wir lebten damals in einer sehr schönen und sehr großen Altbauwohnung eines um 1900 erbauten Stadthauses, mit vielen Zimmern, hohen Stuckdecken, langen Fluren, einem Kachelofen und einem meterlangen und schmalem „Klozimmer“. Alles wunderbar nur…..leider keinem richtigen Garten. Lediglich ein kleiner Hof mit Mini-Wiese, einem Zwetschgenbaum, einer Waschküche und einem altem Garagen-Gebäude gehörten zu dem Haus. Dieser Hof war für mich ein kleines Paradies, denn schon damals liebte ich es in der Erde zu buddeln und die Natur zu spüren.

In meiner Erinnerung trug der Baum in jedem Herbst unglaublich viele Zwetschgen. Meistens fielen sie jedoch nur einfach ab und fingen auf der Erde, im Beisein unzähliger Wespen, zu verrotten an. Sie verströmten dabei einen süßlichen, oft auch schimmeligen Geruch. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass man immer aufpassen musste nicht darauf zu steigen, denn sie hinterließen einen klebrigen Abdruck auf den Schuhen, der auf der Holzstiege im Treppenhaus schleimige Fuß-Spuren hinterließ, über den sich die anderen Hausbewohner nicht wirklich freuten. 

 

Oft nahm sich mein Vater dann aber Zeit und erntete mit einer Leiter große Mengen an Zwetschgen, bevor trotzdem immer noch viele verdarben, da niemand anderes in unserem Haus daran interessiert war. Diese Ernte bedeutete immer viel Arbeit, denn die Zwetschgen mussten schnell verarbeitet werden. Da wurde vor allem Zwetschgenmarmelade gekocht, die mein Vater Powidl-Marmelade nannte, Zwetschgensaft hergestellt, den wir im Winter zu trinken bekamen und….. die herrlichen Zwetschenknödel mit wunderbaren Butter-Zucker-Zimt-Bröseln fabriziert, die es dann abends zur Belohnung zum Abendessen gab. 

Seine Rezepte nahm er dabei meist aus einem kleinem blauem Kochbuch, welches ich zum Glück erben durfte und stets wie meinen Augapfel hüte. Wie Ihr sehen könnt, ist „Die kleine Prato“ schon ein wenig in die Jahre gekommen, aber vor allem wenn es um Rezepte aus meiner Kindheit geht, leistet sie immer wieder ausgesprochen gute Dienste.

Vielleicht werde ich hier mal einen eigenen Artikel zu diesem wunderbaren Buch schreiben. Da gibt es nämlich sehr nette Beiträge, die aus heutiger Sicht ziemlich amüsant sind.

Oh…. jetzt habe ich Euch vielleicht ein wenig gelangweilt mit meinem langem Vorwort. Egal, Ihr könnt ja gleich zum Rezept weiter scrollen, wenn es Euch zu viel ist alles zu lesen:

Zutaten für ca. 8 Knödel:

  • ca. 8 bis 10 mittelgroße, gewaschene und abgetrocknete Zwetschgen 
  • 8 bis 10 Zuckerwürfel

 

Für den Teig:

  • 480 g Kartoffeln, mehlig-kochende!!!, wichtig!
  • 20 g weiche Butter
  • 125 g Mehl
  • 1 Prise Salz
  • 2 Eigelbe (L) oder 3 Eigelbe (M)

 

 

Für die Knusper-Brösel:

  • 120 g Semmelbrösel
  • 50 g Butter
  • 80 Zucker
  • ca. 1 EL Zimt

Zubereitung:

  • Als erstes die Kartoffeln waschen und anschließend mit der Schale in kochendem Wasser, je nach Größe der Kartoffeln, ungefähr 20 bis 25 Minuten kochen. Ein kurzer Pieks mit der Gabel zeigt Euch am Ende der Kochzeit ob die Karfoffeln schon weich sind. 
  • Während die Kartoffeln kochen, die Zwetschgen waschen und abtrocknen. Die Zwetschgen soweit einschneiden, dass sie nicht auseinander fallen, aber Ihr bequem den Kern herausnehmen könnt und anschließend stattdessen ein Stück Zucker einlegen könnt. 
  • Das Wasser der Kartoffeln nach dem Ende der Kochzeit abgießen und die Kartoffeln anschließend pellen. Vorsicht heiß!! Noch warm durch die Kartoffelpresse drücken. Sofort die Butter und die Eigelbe untermengen. Anschließend ein wenig auskühlen lassen.
  • Jetzt das Mehl unter die Kartoffel-Butter-Ei-Mischung mengen. Das Ganze gibt einen lockeren Teig. Ist der Teig zu weich, einfach noch mal ein wenig mehr Mehl dazugeben. Nun den Teig zu einer Rolle formen.  Ich habe mir dann kleine Abschnittsmarkierungen gemacht, damit ich ungefähr acht gleich große Teigportionen für die Knödel bekomme. Immer einen Teigabschnitt abschneiden, flach drücken, eine vorbereitete Zwetschge einlegen und anschließend die Frucht mit dem Teig gleichmäßig umhüllen. Der Teig sollte nicht zu dick um die Zwetschge gelegt sein. Lieber mit dem restlichen Teig noch einen oder zwei weitere Knödel formen. 

 

 

 

  • Wer die Zwetschgen-Knödel als Dessert vorbereiten will, kann die fertigen Knödel nun mit Folie abgedeckt im Kühlschrank ein paar Stunden aufbewahren. Damit die Knödel nicht festkleben, Schale und Knödel vorher ein wenig bemehlen. 
 
 
 
  • Nach der Vorbereitung der Knödel kann’s dann auch schon mit der Herstellung der Knusper-Brösel los gehen. Dazu ein wenig Zeit einplanen, da der Bräunungsvorgang möglichst nur langsam bei mittlerer Hitze erfolgen sollte. Zuviel Hitze lässt die Brösel nämlich schnell zu dunkel werden. Zuerst in einer weiten Pfanne (am besten eine beschichtete Pfanne) die Butter flüssig werden lassen. Dann die mit dem Zucker und dem Zimt vermischten Semmelbrösel dazu geben und unter häufigen Wenden schön knusprig braun werden lassen. 
  • Während der Herstellung der Brösel schon einen großen Topf mit Wasser zum Kochen bringen. Dann die vorbereiteten Zwetschgen-Knödel vorsichtig mit einem Sieblöffel in das Wasser einlegen. Nun die Knödel, bitte nur noch schwach wallend, ungefähr 5 bis 10 Minuten kochen, bis sie gut an der Oberfläche schwimmen.
  • Mit dem Sieblöffel aus dem Wasser heben, kurz abtropfen lassen und dann in den warmen Knusper-Bröseln schön wälzen, bis die Knödel gut von allen Seiten paniert sind. 
  • Noch warm die Knödel mit etwas zusätzlichen Bröseln servieren. 



 

 

 

Und….. fertig sind die himmlischen Knödel!

Ich finde Zwetschgen-Knödel gerade für graue Herbsttage eine wunderbare Süßspeise mit Wohlfühl-Faktor! 

Und….. Lust bekommen???

Auch wenn es hier vielleicht so aussieht, als ob es ziemlich viel Mühe kosten würde, bevor die herrlichen Kugeln auf dem Teller landen, kann ich Euch nur dazu anspornen es trotzdem auszuprobieren. Ich finde alles nicht wirklich schlimm… nur die Brösel, oh jeee….. da bin ich aber noch von meiner Kindheit ein wenig geschädigt. Diese Arbeit hatte nämlich meist ich zu leisten. Und da die Eltern immer Angst hatten, dass das gute Kind die Brösel anbrennen lässt, haben sie den Herd regelmäßig auf ganz niedriger Stufe brennen lassen. Dann hat’s natürlich ewig lange gedauert, bis sich ein wenig Bräune eingestellt hatte.

Würde mich jedenfalls riesig freuen, wenn Ihr mein Rezept demnächst ausprobieren würdet und mir dann hier, auf Instagram oder Pinterest ein paar Bilder und Kommentare dazu schicken würdet. 

Habt noch wunderschöne Herbst-Tage und genießt die herrliche Atmosphäre dieser großartigen Zeit des Jahres.

Alles Liebe von 

Eurer

Amalie

Zwetschgenknödel aus Kartoffelteig mit knusprigen Zucker-Zimt-Bröseln

Zubereitungszeit45 Min.
Gericht: Nachspeise
Land & Region: Österreichisch
Portionen: 4 Portionen
Autor: Amalienwohnzimmer.com

Zutaten

  • 8 bis 10 mittelgroße Zwetschgen
  • 8 bis 10 Würfel Zucker

Für den Teig:

  • 480 g mehlig kochende !! Kartoffeln
  • 20 g weiche Butter
  • 125 g Mehl
  • 1 Prise Salz
  • 2 Eigelbe (L) oder 3 Eigelbe (M)

Für die Knusper-Brösel:

  • 120 g Semmelbrösel
  • 50 g Butter
  • 80 g Zucker
  • ca. 1 TL Zimt

Anleitungen

  • Als erstes die Kartoffeln waschen und anschließend mit der Schale in kochendem Wasser, je nach Größe der Kartoffeln, ungefähr 20 bis 25 Minuten kochen. Ein kurzer Pieks mit der Gabel zeigt Euch am Ende der Kochzeit ob die Karfoffeln schon weich sind. 
  • Während die Kartoffeln kochen, die Zwetschgen waschen und abtrocknen. Die Zwetschgen soweit einschneiden, dass sie nicht auseinander fallen, aber Ihr bequem den Kern herausnehmen könnt und anschließend stattdessen ein Stück Zucker einlegen könnt. 
  • Das Wasser der Kartoffeln nach dem Ende der Kochzeit abgießen und die Kartoffeln anschließend pellen. Vorsicht heiß!! Noch warm durch die Kartoffelpresse drücken. Sofort die Butter und die Eigelbe untermengen. Anschließend ein wenig auskühlen lassen.
  • Jetzt das Mehl unter die Kartoffel-Butter-Ei-Mischung mengen. Das Ganze gibt einen lockeren Teig. Ist der Teig zu weich, einfach noch mal ein wenig mehr Mehl dazugeben. Nun den Teig zu einer Rolle formen.  Ich habe mir dann kleine Abschnittsmarkierungen gemacht, damit ich ungefähr acht gleich große Teigportionen für die Knödel bekomme. Immer einen Teigabschnitt abschneiden, flach drücken, eine vorbereitete Zwetschge einlegen und anschließend die Frucht mit dem Teig gleichmäßig umhüllen. Der Teig sollte nicht zu dick um die Zwetschge gelegt sein. Lieber mit dem restlichen Teig noch einen oder zwei weitere Knödel formen. 
  • Nach der Vorbereitung der Knödel kann's dann auch schon mit der Herstellung der Knusper-Brösel los gehen. Dazu ein wenig Zeit einplanen, da der Bräunungsvorgang möglichst nur langsam bei mittlerer Hitze erfolgen sollte. Zuviel Hitze lässt die Brösel nämlich schnell zu dunkel werden. Zuerst in einer weiten Pfanne (am besten eine beschichtete Pfanne) die Butter flüssig werden lassen. Dann die mit dem Zucker und dem Zimt vermischten Semmelbrösel dazu geben und unter häufigen Wenden schön knusprig braun werden lassen. 
  • Während der Herstellung der Brösel schon einen großen Topf mit Wasser zum Kochen bringen. Dann die vorbereiteten Zwetschgen-Knödel vorsichtig mit einem Sieblöffel in das Wasser einlegen. Nun die Knödel, bitte nur noch schwach wallend, ungefähr 5 bis 10 Minuten kochen, bis sie gut an der Oberfläche schwimmen.
  • Mit dem Sieblöffel aus dem Wasser heben, kurz abtropfen lassen und dann in den warmen Knusper-Bröseln schön wälzen, bis die Knödel gut von allen Seiten paniert sind. 
  • Noch warm die Knödel mit etwas zusätzlichen Bröseln servieren. 

Kleine Anmerkung:

  • Wer die Zwetschgen-Knödel als Dessert vorbereiten will, kann die vorbereiteten, rohen Knödel mit Folie abgedeckt im Kühlschrank ein paar Stunden aufbewahren. Damit die Knödel nicht festkleben, Schale und Knödel vorher ein wenig bemehlen.  

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

    1. Hi Ronit,
      thank you so much for commenting my article here on my blog. It makes me really happy, that you like this old very traditional Austrian recipe from my father. I hope you might try it out yourself someday.
      Lots of love from Munich,
      Amalie

  1. Genau so hat meine Mutter die Zwetschkenknödel auch gemacht 😍 Einfach nur köstlich und Danke für die tolle Geschichte. PS: Powidl hab ich vor kurzem auch gemacht.😋

    1. Lieber Günter,
      ganz lieben Dank für Deine netten Worte hier auf meinem Blog. Das freut mich sehr, dass Du Dir die Mühe gemacht hast den ganzen Artikel mit samt der Geschichte zu meinen Zwetschgenknödeln zu lesen und sie Dir gefallen hat. Hab‘ noch einen schönen Herbst, na ja vielleicht auch mal mit Zwetschgenknödeln 😁, bevor diese herrlichen und vielseitigen Früchte sich schon wieder für ein Jahr verabschieden.
      Liebe Grüße aus dem Wohnzimmer,
      Amalie

  2. Ich liebe Zwetschgenknödel. Leider backe ich sie viel zu selten. Das muss ich ändern. Unser Familienrezept ist deines sehr ähnlich. Wenn ich mir deine Bilder anschaue, kriege ich Gusto darauf.
    LG, Diana

    1. Liebe Diana,
      dann aber ganz schnell, denn die Zwetschgen-Saison ist schon fast vorbei. Viel Spaß beim Kochen und Genießen Deiner Zwetschgenknödel.
      Liebe Grüße aus dem Wohnzimmer,
      Amalie

Kommentar verfassen

Menü schließen
%d Bloggern gefällt das: